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Am Morgen weckte mich das Zerren von Gras dicht neben dem Zelt. Ich schaue hinaus und um uns herum weidet eine Herde Jaks. Als wir am Abend das Zelt aufstellten, trieben Hirten hier eine Herde Pferde durch und gegen Dämmerung spazierte eine Herde Schafe und Ziegen vorbei. Die Hirten machten bei uns halt und kommunizieren freundlich mit Händen und Füßen. Hunde von den nahe gelegenen Jurten verscheuchten uns zunächst, aber dann kamen sie von selbst und lagen die ganze Nacht ein Stück weit von unserem Zelt entfernt.

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Sich an all dem zu laben bedeutet allerdings in erster Linie, riesige Entfernungen zu überbrücken, um überhaupt dorthin zu kommen. Ich plante die Trasse über Moskau, Novosibirsk und dann schon mit dem Motorrad bis zur mongolischen Grenze. Für die Mongolei selbst habe ich mich mit sowjetischen Militärkarten ausgerüstet und ließ alle Karten zuhause, die in Europa gewöhnlich zu kaufen sind – sie taugen nichts. Wir planen, die Mongolei per Motorrad von Westen nach Süden zu durchfahren und anschließend Richtung Norden nach Russland zurückzukehren. Wir wollen noch nicht einmal so sehr die historischen Denkmäler bewundern, uns interessieren eher Wüsten und Steppen und wir möchten die eigenen Kräfte bei der Bewältigung unwegsamen Terrains ausprobieren, zusätzlich in nicht allzu besiedelten Gebieten.

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Die russisch-mongolische Grenze ist nur von neun bis sechs offen und davon haben die Grenzer eine Stunde zum Mittagessen. Wir warteten drei Stunden bis wir irgendeine Damen überreden, in die Menge zu rufen, dass wir eine internationale Expedition seien, und ließ uns die gesamte Schlange überholen. Die asphaltierte Landstraße endet genau an der Linie, die die beiden Länder trennt. Die Soldaten öffnen ein verrostetes Tor und vom Asphalt fährt man direkt auf eine kaputte Staubpiste herunter. Ich wechsle die Reifen auf geländegängige Michelin Desert. Die lokale Bevölkerung ist schrecklich vorlaut; sie fassen alles an, sitzen auf dem Motorrad, drücken Hebel und Schalter und führen, wenn sie den Boden erreichten, ohne zu fragen mit dem Motorrad herum.

Kühe auf dem Dorfplatz

Vom See Dunb-nuur führt ein wunderschöner Weg über einen Pass in die Stadt Ölgij. Es sieht so aus, dass von der Stadt schon eine Straße zur Grenze gebaut wird. Ölgij ist eine typische mongolische Stadt – auf dem Hauptplatz lungern Kühe herum und wenn ein Mongole auf einem Pferd vor die Bank geritten kommt, bindet er es draußen fest und geht in das Geldinstitut hinein. In der örtlichen Kantine – „Zoognyj Gazar“ – haben sie eine hervorragende Mischung aus Nudeln, Hammelfleisch und Gemüse, Kartoffelsalat und eine gute Hammelfleischbrühe. Nur Tee mit Milch und Salz will uns nicht so ganz über die Lippen gehen.

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Der Weg aus Ölgij heraus ist schon reinste Wüste. Zwar gibt es hier und da Seen, aber meist sind da am Wegesrand Felder mit schwarzem Gestein. Wir halten an einem Haus an der Straße an, wo eine Familie so etwas wie einen Imbiss betreibt. Sie bewirten uns mit Tee und als wir sagen, dass wir ihn nicht so gerne mit Milch haben, bekommen wir nur Tee. Allerdings gesalzenen.

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Rusko/Mongolská hranice

In der Siedlung Tolbo tanke ich Benzin auf. Die Zapfsäule wir per Kurbel betrieben und auf die Frage hin, ob sie 92-, 80- oder 76-Oktan-Benzin haben, wird mir geantwortet, dass sie Benzin haben. Es war 76-Oktan-Benzin, zum Glück hat das Motorrad eine umschaltbare Zündelektronik und es macht ihm nichts aus. Hinter Tolbo versuchen wir von der Hauptstraße Richtung chinesische Grenze zur Stadt Bulgan abzubiegen. Wir folgen dem Rat der Einheimischen und halten uns in Richtung Kobdo (Hovd, lies Chofd), da ist der Weg angeblich besser. Er führt über einen ganz tollen Pass auf 2630 m üNN mit wunderschönem smaragdfarbenem See. Von Kobdo geht es durch die Wüste weiter, in Richtung der Stadt Altaj. Der Weg ist ein Steinroulette, kaputt und mit einer Menge loser Steine, auf denen uns die Räder abrutschen. Man kann entweder 10 km/h oder 90 km/h fahren. Meist wähle ich die zweite Variante, aber wenn der Weg Querrillen oder große Schlaglöcher aufweist, junkt die arme Zdeňka hinter mir auf dem Sitz nur. Uns hängt ein gewaltiges Gewitter im Rücken – schon von weitem sehen wir Blitze und aufgewirbelten Staub in der Luft. Das Unwetter kommt immer näher und so machen wir uns nach der Dämmerung auf nach Altaj, Luftlinie so 50 km entfernt. Die Fahrt durch die Wüste bei Nacht mit auf die Landstraße gerichteten Scheinwerfern ist ein grässliches Erlebnis. Noch nicht einmal als wir einen Kilometer von der Stadt entfernt sind, glauben wir, dass irgendeine Stadt vor uns ist. Wir sehen keine Lichter, weder in den Häusern noch auf den Straßen. Wir fahren also weiter, tauchen zwischen die Häuser ein und erst jetzt erleuchtet hier und da ein Fenster. Dem GPS zufolge sind wir knapp neben dem Hotel, aber wir können es nicht finden und so versuchen wir, die Vorbeigehenden zu fragen. Die fürchten sich aber vor uns und suchen das Weite. Schließlich hörten uns wohl Polizisten. Sie tauchten in weißen Uniformen auf dem Dunkel auf und führten uns mit einem Lächeln zur anderen Seite des Gebäudes, vor dem wir die ganze Zeit gestanden hatten. Es war das Hotel. Das Motorrad parkten sie in der Garage der Polizeiwache, deren Tor mit Schaffellen ausgeschlagen war. Der Winter ist hier wohl wirklich hart.

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Durch eine Furt

Am Vormittag gehen wir uns die Stadt anschauen. Etwas so Ekelhaftes konnte hier nur von den Kommunisten hinterlassen werden. Das hiesige Krankenhaus ist das erste auf der Welt, das in mir schlichtweg Schrecken beim Gedanken an einen möglichen Aufenthalt auslöst.

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Am Abend machen wir uns endlich auf den weiteren Weg. Zunächst genießen wir den Blick auf die grüne Ebene mit vielen Spurrinnen. Dann aber beginnt wieder die Steinwüste vorzuherrschen. Auf dem Weg treffen wir die Insassen eines PKW mit einem Platten. Zwei junge Mädchen und ihr jüngerer Bruder fahren von Ulan Bator nach Kobdo. Ein Reserverad haben sie nicht und so nimmt der Bruder den Reifen in den Arm und ich nehme ihn die 15 km ins Dorf am Horizont mit, wo man ihm hoffentlich hilft. Eine Reparaturmöglichkeit ist aber nur sehr schwer zu finden und ich lasse ihn schlussendlich allein zurück mit dem, dass er allein zurückkommt.

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Den weiteren Weg haben wir auf der Karte weiter nördlich eingezeichnet, aber die Einheimischen schicken uns südlich in die Wüste Gobi. Den ganzen Tag über treffen wir zwei LKWs, eigentlich sichten wir sie eher nur kurz, so weit sind sie weg. Es kommt uns so vor, als würden wir zu weit gen Süden halten. Wir kontrollieren die Strecke auf den russischen Militärkarten und wir stellen ein weiteres Mal fest, dass dies die einzigen guten Karten für die Mongolei sind. Wir fahren in die richtige Richtung. Die nördliche Strecke hätte uns in ein Gebiet von 2000 m hohen Bergen geführt.

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In der Ferne über den Bergen geht wohl ein ordentlicher Platzregen runter, in der Wüste regnet es hingegen nur manchmal und ganz leicht. Deshalb herrscht auch keine Affenhitze und es lässt sich viel angenehmer fahren. Am Abend kommen wir zur berühmten Furt am Fluss Bajdrag gol, wo letztes Jahr unabhängig voneinander zwei Reisende ihre BMWs absaufen ließen - sie saugten Wasser in die Zylinder an. Ich fahr zweimal siegreich durch die Furt und zurück. In der Nacht passieren wir auf der Hauptstrecke noch eine hölzerne Brücke und dann ist schon die Stadt Bajanhongor unser Ziel. Sie kommt uns wie die reinste Zivilisation vor - es gibt ein Restaurant, eine Bank, Markt, Theater; sie haben sogar 93-Oktan-Benzin. Zdeňka versucht in der Apotheke Medikamente zu kaufen, die sie in der Wüste verloren hat. Natürlich erfolglos, niemand versteht sie. Sie schreibt die Namen der Medikamente in lateinischer Schrift auf, dann auf kyrillisch und anschließend noch einmal in lateinischer Schrift, aber die örtlichen Verkäufer verstehen trotzdem nichts. Bereitwillig zeigen sie ihr allerdings, was sie so alles haben - Aspirin und Pflaster…

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Brod přes BaydragGol

V noci dojíždíme k mostu na hlavní cestě. Je dřevěný, u něj značka 3t a jezdí přes něj běžně přeložené ZILy s obrovskými vleky. Za mostem jedeme kolem místního rýžoviště zlata – ubohé jurty nebo stany, lidi se hrabou ve štěrku a přesévají jej ve vidině zisku.
Bayan-Hongor nám připadá jako civilizace – restaurace, banka, tržiště, divadlo, dokonce i benzín 93octanů. Zdeňka se snaží koupit v lékárně léky, co ztratila v poušti. Samozřejmě neúspěšně, ať jim to píše latinkou, azbukou a ještě latinsky, tak nic nechápou. Ale ochotně jí nechávají se kouknout, co vlastně mají – aspirin a náplasti. Dáváme si výborný oběd a jedeme se kouknout na sirné lázně Shargaljut. Včera byla asi v horách opravdu velká bouře. Cesta na Shargaljut je na mnoha místech stržená nebo přelitá bahnem a kamením ze strání. Shargaljut, stejně jako všechna mongolská významná místa z průvodců, za návštěvu nestojí. Stráň se sirnými prameny je plná lidí, do koupelí se nám nepovedlo dostat, nikdo neumí jinak než mongolsky. Nelíbilo se nám tam. Vracíme se do BayanHongor a zjišťujeme, že Gazela naštěstí cestu hned na začátku vzdala. I my na motorce jsme těch 70km jeli 2.5hod.

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Eine sehr anstrengende Durchquerung

Von Bajanhongor biegen wir von der Hauptstraße nach Ulan Bator ab und fahren durch ein Tal und über einen Bergkamm nach Tsetserleg. Der Weg hat uns ganz schön geschafft! Er führt durch ein Flusstal nach der Anschwemmung von runden Kieseln und in vielen Furten überquert er die Mäander des Flusses. Die Durchquerung mit einem Motorrad ist in der Tat sehr anspruchsvoll, Einmal haben wir uns ganz schön im Fluss gewälzt und nicht selten mussten wir in der Mitte des Flusses vom Motorrad absteigen und es ans Ufer schieben. Hinter dem Kloster und der Siedlung Erdenetsogt stellen wir unser Zelt neben einem schön sauberen Badetümpel auf. Endlich nach vier Tagen! Wir waschen Wäsche und Luftfilter, packen Sachen um und ruhen uns aus. Aus einer nahe gelegenen Jurte kommt eine Mutter mit einem Mädchen heraus und in schönem Englisch erzählt die uns, dass sie uns in der Mongolei begrüße und dass sie uns echten mongolischen Joghurt mitgebracht hätte.

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Am Abend hält eine Reihe von vorübergehenden Mongolen auf einen Plausch an. Sie kommen auf dem Pferd, per Motorrad, zu zweit per Motorrad mit Ziege… Wir fahren das Flusstal weiter, wo eine Furt der nächsten folgt. Nach ein paar Kilometern streicht eine geologische Expedition an uns vorbei. Riesige LKWs vom Typ ZIL ziehen Bohrvorrichtungen und haben noch eine Zisterne mit Benzin angehängt, um überhaupt über die Berge zu kommen.

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Bei jedem Halt kommt jemand zu uns her gefahren und will sich mit uns unterhalten. Meist sind das Hirten auf Pferden und sie sind schrecklich lieb. Hinter dem Pass ist die Landschaft grüner und endlich erscheinen größere Wälder. Wir schlagen unser Lager an einem herrlichen Ort am Fluss unter Kiefern auf. Wir fangen Fische, am Abend machen wir uns ein Feuer, nur eine Gitarre fehlt uns.

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Weitere Hinterhalte der Landschaft

Wir dachten, dass wir schon fast alle Fallen der mongolischen Landschaft kennen gelernt hätten und dass uns nichts überraschen kann. Irrtum. Auf uns wartete eine anspruchsvolle Furt in einem breiten, tiefen Fluss mit Kiesbett. Nach Abwägung der Situation riskieren wir sie lieber nicht und so kommen wir von den Bergen her von der anderen Seite nach Tsetserleg. In den Hügeln treffen wir noch ein belgisches Paar, das hier mit Rucksäcken auf dem Rücken auf Tour ist. Unser Versuch, die Mongolei per Motorrad zu durchqueren, kommt ihnen wohl ziemlich merkwürdig vor, weil sie uns wie Ufos anschauen.

Tsetserleg ist eine ziemlich unschöne Stadt, milde ausgedrückt. Lieber essen wir schnell etwas und fahren direkt weiter nach Tschartschorin, wo wir in das Tal des Flusses Orchon abbiegen.

Die Nacht ist wie aus einem Traum: rund herum weiden Pferde, bei Dunkelheit treiben Hirten eine weitere Herde Pferde durch den Fluss, schließlich kommt uns noch eine riesige Herde Ziegen auskundschaften…

Romantik pur.

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Die größte Attraktion hier ist aber der Orchon-Wasserfall. Der Fluss Orchon schneidet sich tief in einen scharfen vulkanischen Canyon ein und der Wasserfall entstand an einem Zufluss, der aus einer Höhe von dreizehn Metern in den Canyon des Flusses fällt. Sehr oft ist er jedoch ausgetrocknet. Auf der Ebene um den Canyon des Flusses Orchon herum stehen viele Jurten mongolischer Familien, die hier ihre Herden weiden lassen. Ein Stück oberhalb von ihnen schlagen wir unser Lager auf und genießen die Idylle. Die gastfreundlichen Mongolen bringen uns Käse , Milch und auch Ajrak (ein leicht alkoholisches Getränk aus Stutenmilch). In einer nahen Jurte leihen wir uns Pferde und machen uns auf in den nahe gelegenen Wald. Hier stehen hier und da auch ein oder andere Holzhäuschen und an einem hängt das frisch abgezogene Fell eines Wolfs. Wolfsrudel sind angeblich für die lokale Bevölkerung im Winter eine große Gefahr. Als wir die Pferde zurückgeben, bricht in den Jurten ein Fotowahnsinn aus. Alle lassen sich mit allen ablichten bis es mir aufhört, Spaß zu machen; ich lasse ihnen den Fotoapparat zum Spielen da und geh raus, um zu schauen, wie die Jungs auf meiner Maschine fahren. Sie kommen zwar mit den Beinen nicht auf den Boden, aber irgendwie wissen sie sich immer zu helfen, um durchzukommen und nicht gleich nach ein paar Metern hinzuplumpsen.

Geist der Vergangenheit

Es naht das Ende unserer Exkursion. Wir sausen die Hauptverkehrsader entlang, die sogar ein Stück weit asphaltiert ist. Aber offensichtlich kurven wir den falschen Weg hinunter und so bleibt uns nichts anderes übrig, als ein vorbeifahrendes Auto anzuhalten und zu versuchen, uns irgendwie zu verständigen, wo lang es weitergeht. Die Frau kann russisch, das Mädchen englisch und der Herr weiß, wo er ist. Eine ideale Kombination. Zusätzlich sind sie ganz schrecklich zuvorkommend, so dass sie uns am Abend und bei dichtem Regen durch die mongolischen Berge ca. siebzig Kilometer bis zur Asphaltstraße zwischen Arvajheer (lies Arwajcheer) und Ulan Bator führen. Am Morgen kommen wir nach fünf Stunden Fahrt durch eine Art tiefen Ackerbodens, der in Wahrheit der Versuch des Baus einer Autobahn war, vollkommen fertig in Ulan Bator an, von wo aus wir beinahe Richtung Grenze zu Russland loseilen. Dort hat uns ein Russe sehr amüsiert, der ein bisschen tschechisch sprach. Er war bei uns stationiert und hatte auf dem Unterarm einen böhmischen Löwen mit der Aufschrift „ČSSR“ eintätowiert!

Den Staub der mongolischen Reise wuschen wir in den Wassern des Baikals ab und vor uns war nur noch der Weg bis Irkutsk und anschließend per Zug nach Moskau. In den Gedanken verblassen langsam die Erinnerungen an die Reisestrapazen und es bleibt nur noch das Unvergessliche – die Pracht der leeren Landschaft und die ungewöhnlichen Begegnungen mit ihren gewöhnlichen Bewohnern.

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